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Tipps, wie du Texte besser formulieren kannst

Texte besser formulieren: So klingen deine Sätze schöner

Texte sind wie Popstars. Wir tun alle so, als ob es nur um die Stimme (den Inhalt) geht. Aber in Wirklichkeit wollen wir auch, dass sie toll aussehen (schön formuliert sind). Deswegen hat Susan Boyle ein Makeover bekommen und Adele tritt nie ohne falsche Wimpern und geschwungenem Eyeliner auf. Das was die Plattenfirma mit der Schottin gemacht hat, mache ich mit dir im übertragenen Sinne in diesem Artikel: Ich zeige dir, wie du deine Texte besser formulieren kannst. Ein Makeover für deine Texte sozusagen.

8 Möglichkeiten, deine Texte besser zu formulieren

Musst du dir ein halbes Jahr Zeit nehmen, dich für einen Intensivkurs einschreiben und täglich drei Stunden üben, um zu lernen, um bessere Formulierungen zu finden? Nö. Alle Tipps, die ich dir hier gebe, lassen sich im Handumdrehen umsetzen. Die Schwierigkeit ist nur, sie zu verinnerlichen und auch noch nach Lektüre dieses Beitrags an sie zu denken.

Ich gehe davon aus, dass du dir was du als Erstes liest am besten merken kannst. Deshalb habe ich diese Tipps nach ihrer Wichtigkeit geordnet.

1. Vermeide Nominalstil

Wenn du Texte besser formulieren möchtest, ist mein Nummer-1-Tipp für dich: Mache einen Bogen um Worte, die auf -ung enden. Was gibts an Versicherung, Meldung und Besprechung auszusetzen? Grundsätzlich nix, das sind anständige deutsche Wörter und auf jeden Fall Insurance, News und Meeting vorzuziehen.

Aber sie sind die Protagonisten in einem Drama namens Nominalstil. Und den solltest du tunlichst vermeiden, wenn du gute Texte schreiben möchtest. Nominalstil ist das, was du als Juristen- und Amtsdeutsch kennst. Nominalstil ist, wie Politiker*innen oft sprechen. Nominalstil ist anstrengend zu lesen.

Leider formulieren viele Menschen unnötigerweise oft im Nominalstil. Aber er lässt sich einfach auflösen und bessere Formulierungen finden: Du machst aus dem Nomen (Hauptwort) ein Verb.

2. Schreibe im Aktiv

Nominal- und Passivstil sind die bösen Stiefschwestern, die versuchen, die schöne Texterella zu sabotieren. Sie sind fast unzertrennlich. Wo viel Nominalstil, da viel Passiv.

Um deine Texte besser zu machen, solltest du wann immer möglich im Aktiv formulieren. Denn ein Satz, bei dem sofort klar ist, wer etwas gemacht hat, ist leichter zu lesen. Beim Passiv steht eher die Handlung im Mittelpunkt. Du musst erst mal nachdenken, wer sie vollzogen hat oder vollziehen soll. Passivstil bringt also die Rädchen im Kopf deiner Leserinnen unnötig in Bewegung. Die sollen aber nicht über deine Formulierungen nachdenken, sondern sich auf das konzentrieren, was du ihnen mitteilst.

3. Mache Punkte statt Kommas

Du kennst sie auch: Leute, die ohne Punkt und Komma sprechen. Sie brauchen eigentlich keine Gesprächspartner, weil sie ohnehin einen Monolog halten, bei dem du nie die Chance bekommst, einzuhaken. Sie erzählen so viel, dass du im Nachhinein nicht rekonstruieren kannst, was sie alles gesagt haben.

Diese Leute gibt es auch in schriftlicher Form. Das äußerst sich, indem sie selten einen Punkt setzen. Es entstehen Endlossätze, die nur durch Kommas unterteilt wurden.

Wenn du so eine Person bist, muss ich dir klipp und klar sagen: Mach mal nen Punkt! Viele sogar. Denn dieses Satzzeichen ist da, um einen Gedanken abzuschließen. Ein Gedanke, ein Satz. Hängst du einfach ständig neue Gedanken dran, hat deine Leserin nicht die Chance, die Ursprungsinformation zu verarbeiten. Du überlädst deine Texte und machst es schwieriger, sie zu lesen. Willst du bessere Texte formulieren, bilde kürzere Sätze.

4. Verwende präzise Wörter

Unter gehen, machen und sagen kann sich jede*r etwas vorstellen. Genau wie unter Lösung, Herausforderung und Transformation. Aber präzise sind diese Wörter nicht. Sie sind eher eine grobe Zusammenfassung. Sie sind Rundungen statt genauer Zahlen. Sie zu verwenden ist, wie zu sagen: „Es gibt Nudeln mit Soße zu Mittag.“ Ok, verstehe. Aber sind es Spaghetti oder Fusilli, Ravioli oder Tortellini? Und Tomaten-, Sahne- oder Thunfischsoße?

Indem du deine Texte präziser formulierst, zeichnest du ein klareres Bild. Es kommt zu weniger Nachfragen und weniger Enttäuschungen, weil sich Leserinnen etwas anderes vorgestellt hat.

Schreibe also wenn möglich statt gehen rennen, hasten oder schlendern; statt machen produzieren, anfertigen oder unterbreiten; statt sagen rufen, flüstern oder ankündigen. Wenn du von Lösungen, Herausforderungen und Transformation schreibst, werde konkret: Wie sieht die Lösung aus? Welche Herausforderungen sind das konkret? Und was bewirkt die Transformation?

5. Vermeide Fremdwörter & Fachbegriffe

Der Erfolg von Wordle zeigt: Viele, viele Leute machen gerne Wörterrätsel. Aber nicht, wenn sie eine Gebrauchsanweisung lesen und verstehen wollen, warum ihr Mixer nicht mehr mixt. Niemand hat Lust zu raten, was mit einer Formulierung gemeint ist.

Nun sind die meisten Texte nicht so formuliert, dass man sich ihren Sinn erschließen muss. Aber häufig werden Worte verwendet, die beschönigen, umschreiben oder beeindrucken sollen. Was die Leserin aber eigentlich will, ist lesen, was Sache ist.

Um bessere Texte zu formulieren, solltest du Wörter verwenden, die genau das sagen, was du meinst. Wenn es einen einfachen Ausdruck gibt, verwende ihn – auch wenn er vielleicht nicht hundertprozentig richtig ist. Denke immer an deine Leserinnen: Welche Worte verstehen sie und welche nicht? Und ist es für sie wichtig, den absolut richtigen Fachbegriff zu kennen?

6. Schreibe einfach

Ich habe eine Theorie: Die meisten Menschen würden passable Texte produzieren, wenn sie nicht glaubten, sie müssten schriftlich anders („professioneller“) klingen als mündlich.

Sprechen und schreiben sind keine zwei verschiedenen Welten. Du musst nicht zwingend bessere Formulierungen finden für das, was du sagen willst.

Wenn du etwas, was du deiner Freundin erzählst, 1:1 nieder schreibst, dann ist das nicht unbedingt ein gut lesbarer Text. Aber es braucht nur wenige Handgriffe, um ihnen zu einem solchen zu machen. Du musst den Inhalt nicht komplett umschreiben, um draus einen guten Text zu formulieren.

Deshalb solltest du dich beim Schreiben daran orientieren, wie du sprichst:

  • Bilde einfache Sätze.
  • Verwende Verben statt Nomen.
  • Formuliere aktiv.
  • Nutze einfache Wörter.


Wenn du diesen Artikel bisher aufmerksam gelesen hast, kommt dir das schon bekannt vor.

7. Streiche (die meisten) Füllwörter

Was du aus dem Mündlichen allerdings nicht übernehmen solltest (also in einem transkribierten Text löschen würdest), sind Füllwörter. Die verwenden wir im Gespräch ständig.

Füllwörter sind zum Beispiel:

  • mal
  • doch
  • ja
  • halt
  • eigentlich
  • natürlich


Wir verwenden sie, um unsere Sätze runder zu machen, aber sie transportieren keine Informationen. Sie sind nur Beiwerk, ohne jeglichen Gehalt.

Wenn du von nun an locker-flockig deine Texte runterschreibst, wird es dir passieren, dass du diese Wörter in deine Texte übernimmst. Das ist kein Drama, aber wenn du besser formulieren lernen möchtest, solltest du sie auf ein Minimum reduzieren.

Manche sagen, man solle alle Füllwörter streichen. Das sehe ich nicht so. Ich finde, das ein oder andere Füllwort macht einen Text authentischer. Aber zu viele verderben den Text, weil sie ihn überladen. Es kommt auch darauf an, um welche Art von Text für wen es sich handelt. Schreibst du eine E-Mail an eine Kollegin, lassen dich Füllwörter sympathisch wirken. In einem Marketingbericht an die Geschäftsleitung solltest du „eigentlichs“ und „mals“ lieber ausmerzen.

8. Vermeide Wortwiederholungen

Jede*r weiß, dass es kein guter Stil ist, aufeinander folgende Sätze mit dem gleichen Wort zu beginnen; oder das gleiche Wort mehrmals in einen Satz zu verwenden; oder immer nur „die Bürgermeisterin“ zu schreiben, wenn man auch „das Stadtoberhaupt“, „die SPD-Frau“ oder „Franziska Giffey“ verwenden kann.

Aber ebenso unschön sind Wiederholungen in unterschiedlicher Wortarten, wie beispielsweise „das Instrument instrumentalisieren“, „der Wachhund bewachte“ oder „einen Text texten“.

Um bessere Texte zu formulieren, solltest du deine Sätze auch auf diese Wortwiederholungen überprüfen. Wenn sie dir unterlaufen sind, ist die einfachste Methode, Synonyme zu verwenden: „das Werkzeug instrumentalisieren“, „der Hund bewachte“ oder „einen Text verfassen“.

Fazit: Texte besser formulieren geht mit wenig Aufwand

Texte besser zu formulieren, bedeutet nicht, dass du an allen Ecken und Enden ein grandioses Wortspiel, ein originelles Bild oder einen inspirierten Vergleich bringen musst. Meist reicht es schon, ein paar Worte zu streichen oder einige andere zu präzisieren. Du musst formulieren also nicht wirklich lernen, sondern lediglich auf einige stilistische Dinge achten und sonst schreiben, wie dir der Schnabel gewachsen ist.

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Foto von Nils Stahl auf Unsplash

Julia Wißmeier

Julia Wißmeier

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